Statistik und Deportation
der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich

Münster - Osnabrück - Bielefeld nach Riga

Abfahrtsdatum: 13.12.41, Deportierte: 1012

Zur Vorbereitung des Teiltransports aus dem Regierungsbezirk Minden ist ein Schreiben der Gestapo Bielefeld vom 22.11. an die Landräte bekannt, in dem es heißt: "Am 13.12.41 werden aus dem Bezirk der Staatspolizeileitstelle Münster 1000 Juden nach dem Osten evakuiert. Aus dem ehemaligen Bezirk der Staatspolizeistelle Bielefeld (Reg.-Bez. Minden und die Länder Lippe und Schaumburg-Lippe) sind für diesen Abtransport 400 Juden zu stellen... Die zur Abschiebung bestimmten Juden sind am 10.12.41 in ihren Wohnungen abzuholen und bis 16 Uhr nach Bielefeld zum "Kyffhäuser", Am Kesselbrink, Großer Saal, zu überführen." [LAV NRW OWL, M2 Warburg Nr. 2672]


Transportlisten des Bielefelder Teiltransports sind für den Landkreis Warburg und das Land Schaumburg-Lippe erhalten. Nach der dem obengenannten Schreiben an den Landrat in Warburg beigefügten Liste sollten 53 Menschen deportiert werden. Aus Schaumburg-Lippe wurden 29 Menschen deportiert, wie sich aus den Listen der Landräte in Bückeburg und Stadthagen für die Landesregierung Bückeburg ergibt. Eine Aufstellung des Oberfinanzpräsidenten in Münster enthält die Namen von 30 Menschen aus Schaumburg-Lippe, einschließlich dem von Berta Leeser, die am 15.12.41 von Hannover aus nach Riga verschleppt wurde. Die hier abgebildeten Dokumente für Schaumburg-Lippe befinden sich im Niedersächsischen Landesarchiv, Bestand NLA Bückeburg L 4 Nr. 2040 und NLA Hannover Hann. 210 Acc. 160/98 Nr. 9 fol. 76 (Liste des OFP).

OT411213-S1

Schaumburg-Lippe

Liste des OFP Münster

Die Gesamtzahl der Deportierten am 13.12.41 kann mit Hilfe der Statistik der Reichsvereinigung ermittelt werden. Im Dezember 1941 wurden von der Reichsvereinigung 783 Deportierte aus dem Bereich der Bezirksstelle Westfalen verzeichnet, die zu dem Zeitpunkt die Regierungsbezirke Dortmund, Münster und Minden und das Land Lippe umfasste. Zusammen mit den 29 Deportierten aus dem Land Schaumburg-Lippe, das bis Juni 1942 zur Bezirksstelle Hannover-Kassel gehörte, sind demnach 812 Menschen mit den Münsteraner und Bielefelder Teiltransporten deportiert worden. Hinzu kamen 200 Menschen aus dem Regierungsbezirk Osnabrück, der ebenfalls zur Bezirksstelle Hannover-Kassel gehörte und von der Reichsvereinigung als Nachmeldung in die Statistik vom Januar 1942 aufgenommen wurde. Insgesamt sind 1012 Menschen am 13.12.41 nach Riga verschleppt worden.

©TF 2016, mail(at)statistik-des-holocaust.de

Orte, aus denen deportiert wurde (Regierungsbezirk Münster)









Ahaus

22


Gronau

2


Raesfeld

1

Altenberge

4


Groß Reken

1


Rhede

1

Bocholt

26


Harsewinkel

1


Rheine

13

Borghorst

14


Havixbeck

1


Stadtlohn

10

Bork

2


Herbern

4


Südlohn

12

Borken

2


Hopsten

5


Velen

2

Burgsteinfurt

18


Ibbenbüren

1


Vreden

6

Coesfeld

19


Laer

9


Wadersloh

2

Drensteinfurt

10


Lengerich

5


Warendorf

6

Dülmen

8


Lüdinghausen

2


Werne

5

Epe

8


Münster

104


Werth

2

Freckenhorst

4


Nienborg

2


Weseke

11

Gescher

20


Oelde

12


Wolbeck

13

Orte, aus denen deportiert wurde (Regierungsbezirk Osnabrück)









Alfhausen

2


Haren

6


Nordhorn

6

Bersenbrück

2


Haselünne

20


Osnabrück

35

Bohmte

2


Herzlake

2


Papenburg

10

Buer

6


Lathen

3


Schüttorf

4

Freren

6


Lingen

8


Sögel

38

Fürstenau

10


Meppen

7


Werlte

24

Gildehaus

6


Neuenhaus

3




Der erste Deportationszug aus Westfalen verließ am Morgen des 13.12.41 den Bahnhof Münster zunächst in Richtung Osnabrück und Bielefeld. Mit ihm sollten aus diesen drei Gestapobezirken 1000 Juden in den Osten abtransportiert werden, wobei als "Soll" für die beiden westfälischen Regierungsbezirke Münster und Minden (mit Lippe und Schaumburg-Lippe) jeweils 400 und für den hannoverschen Regierungsbezirk Osnabrück 200 zu deportierende Menschen vorgesehen waren. Eine Transportliste für den Gestapobezirk Münster ist aus den durch das Amt für Wiedergutmachung sichergestellten Akten bekannt. In dieser sind 403 Namen aufgeführt. Unter Berücksichtigung von 13 Streichungen kann davon ausgegangen werden, dass 390 Menschen dem Teiltransport aus Münster angehörten. Die Liste aus dem Stadtarchiv Münster, Bestand Stadtregistratur Fach 36 Nr. 18f, ist nachstehend reproduziert.

OT411213-O1 OT411213-O2 OT411213-O3 OT411213-O4 OT411213-O5 OT411213-O6 OT411213-O7 OT411213-O8 OT411213-O9 OT411213-O10 OT411213-O11

Die Herkunft und Zahl der Deportierten aus dem Regierungsbezirk Osnabrück war lange Zeit unbekannt, da diesbezügliche Akten als vernichtet galten. In den Unterlagen des Oberfinanzpräsidenten Hannover ist jedoch die Transportliste der Gestapo Osnabrück erhalten. Diese führt insgesamt 207 Namen auf, von denen 2 handschriftlich hinzugefügt und 7 wieder gestrichen wurden. Demnach sind 200 Menschen am 13.12. deportiert worden. Bestätigt wird diese Angabe durch die Statistik der Reichsvereinigung (siehe unten). Die hier als Kopie abgebildete Gestapoliste befindet sich im Niedersächsischen Landesarchiv, Bestand NLA Hannover Hann. 210 Acc. 160/98 Nr. 8 fol. 195-205.