Statistik und Deportation
der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich

Deportationen aus Südwestdeutschland nach Theresienstadt 1943 - 1945

Stuttgart, Deportierte: 21, Ankunft: 17.04.43 (XIII/2, 20)

Stuttgart, Deportierte: 9, Ankunft: 18.06.43 (XIII/3, 9)

Karlsruhe, Deportierte: 41, Ankunft: 11.01.44 (XIII/4, 41)

Stuttgart, Deportierte: 35, Ankunft: 12.01.44 (XIII/5, 35)

Berlin, Deportierte: 1 (nur Baden), Ankunft: 19.04.44 (I/110, 50)

Stuttgart, Deportierte: 1, Ankunft: 20.04.44 (XIII/5 Ez, 1)

Mannheim, Deportierte: 137 (nur Baden), Ankunft: 17.02.45 (XIII/6, 144)

Stuttgart, Deportierte: 58, Ankunft: 18.02.45 (XIII/7, 58)

Halle, Deportierte: 1 (nur Württemberg), Ankunft: 18.02.45 (XII/10, 616)

Pfalz - Saarland, Deportierte: 35 (nur Pfalz), Ankunft: 14.03.45 (III/11, 45)

Die Transportbezeichnung in Theresienstadt sowie die dort registrierte Anzahl Deportierter sind in Klammern angegeben.

Eine Anzahl kleinerer Transporte brachte zwischen 1943 und 1945 aus Südwestdeutschland etwa 350 Menschen in das Getto Theresienstadt. Mit der ersten Deportation nach dem großen Transport vom August 1942 wurden am 16.4.43 aus Württemberg 20 Menschen deportiert. Dazu kam ein Badener, Gustav Hamel, der am 14.4. von Mannheim über Karlsruhe nach Stuttgart gebracht wurde. Dieser ist in der Theresienstädter Liste handschriftlich dazugetragen. Unter dem Betreff "Abwanderung vom 16.4.43" vermerkte Alfred Marx von der Bezirksstelle Südwestdeutschland der Reichsvereinigung: "Von zuständiger Seite erfahren wir, dass der Transport zwar mit 8-stündiger Verspätung infolge eines längeren Aufenthalts in Pilsen, aber ohne weitere Zwischenfälle und gut in Theresienstadt angekommen ist. Auch die beiden Schwerkranken haben den Transport gut überstanden und wurden in Theresienstadt von dem Pflegepersonal in Empfang genommen." [HStA Stuttgart, EA99/001, Bü258] Unter den Deportierten befand sich der ehemalige Dekan der Abteilung Staats- und Kulturwissenschaften der Technischen Hochschule Darmstadt, der 86jährige Prof. Erich Aron. Bereits am 8.5.43 ist er in Theresienstadt verstorben.


Wie auch in anderen Teilen Deutschlands sind die weiteren Deportationen durch drei grundlegende Maßnahmen des RSHA charakterisiert. Zum einen wurde angeordnet, bis 30.6.43 alle nicht in Mischehe lebenden Juden zu deportieren. Hiervon waren auch 8 Stuttgarter und 1 Ulmer betroffen. Im Januar 1944 sollten dann auch die Juden aus nicht mehr bestehenden Mischehen erfasst werden. Aus Baden sind hierdurch 40 und aus Württemberg 35 Menschen nach Theresienstadt verschleppt worden. Dazu kam eine Person aus der Pfalz. Im Stuttgarter Transport vom 11.1.44, der einen Tag später unter der Bezeichnung XIII/5 in Theresienstadt registriert wurde, befand sich auch der ehemalige Generaldirektor der Deutschen Linoleumwerke AG, Dr. Richard Heilner. Er überlebte die Deportation.


Anfang 1945 wurden dazu die in Mischehen lebenden Juden von den Deportationen erfasst und in drei Transporten mit annähernd 250 Menschen im Februar und März 1945 aus Südwestdeutschland nach Theresienstadt gebracht. Hierzu heißt es in einer Verfügung mit dem Betreff "Geschlossener Arbeitseinsatz der jüdischen Teile aus Mischehen" des Kommandeurs der Sicherheitspolizei für Baden und Elsaß: "Das RSHA Berlin hat mit Erlaß vom 19.1.1945 folgendes angeordnet: Alle in Mischehe lebenden arbeitsfähigen Staatsangehörigen und staatenlosen Juden/Jüdinnen (auch Geltungsjuden) sind ungeachtet z.Zt. bestehender Arbeitsverhältnisse möglichst bis 15.2.1945 in Sammeltransporten dem Altersghetto Theresienstadt zum geschlossenen Arbeitseinsatz zu überstellen." Die Menschen aus Baden und Württemberg kamen am 17. und 18.2. in Theresienstadt an, ein weiterer Transport aus der Pfalz noch am 14.3.45. In einem Erlass der Gestapo Stuttgart vom 25.3.45 heißt es dann kurz vor Kriegsende: "Das Reichssicherheitshauptamt hat inzwischen angeordnet, daß der befohlene Arbeitseinsatz der Obengenannten, soweit noch nicht durchgeführt, mit sofortiger Wirkung einzustellen ist. Die Einsatzpflichtigen sind in ihrer bisherigen Arbeitsstelle zu belassen. Bereits durchgeführte Maßnahmen bleiben in Kraft. Ich bitte die Arbeitsämter zu verständigen." [HStA Stuttgart, EA99/001, Bü275]


Daneben gab es auch Transporte einzelner Personen aus Südwestdeutschland nach Theresienstadt, so im April 1944 aus Karlsruhe (XIII/5 Ez) und Neckargemünd (über Berlin, I/110). Der in Theresienstadt am 29.6.44 registrierte Einzeltransport mit der Bezeichnung XIII/5 Ez brachte mit Lina Betty Sattel eine Deportierte aus Schwaig bei Landshut in Niederbayern, die vormals in Mannheim gewohnt hatte. Am 18.2.45 wurde der 15 Jahre alte Heinz Körner aus Ulm im Transport XII/10 in Theresienstadt registriert, dem er aus dem Lager Leimbach bei Eisleben über Halle zugeführt worden war.


Nachfolgend reproduziert sind die Theresienstädter Eingangslisten der Transporte XIII/2 bis XIII/5 [Yad Vashem Archives, O.64/266; Kopie des USHMM, RG-68.103, Reel 4], der Transporte XIII/6 und XIII/7 [Yad Vashem Archives, O.64/355] sowie des Pfälzer Transports III/11 [Yad Vashem Archives, O.64/344]. Am Ende der Namenslisten zu diesen letzten drei Transporten ist jeweils die Eingangsmeldung des "Sachgebiets Sondereinsatz" in Theresienstadt abgebildet, aus denen sich Details wie die Ankunftszeit, die im Vergleich zu den Transportlisten tatsächliche Zahl der angekommenen Menschen sowie deren Unterbringung entnehmen lassen [Yad Vashem Archives, JM 12011]. In Bezug auf den Transport XIII/6 wird zudem berichtet, dass die 7 Personen, die ursprünglich zum Frankfurter Sammeltransport XII/10 gehörten (siehe hier), in Eger den Zug verpasst hatten und daher dem Mannheimer Transport angeschlossen wurden. Weiterhin abgebildet sind Ausschnitte der Eingangslisten zu den Transporten I/110 [Yad Vashem Archives, O.64/226] und XII/10 [Yad Vashem Archives, O.64/356; Kopie des USHMM, RG-68.103, Reel 6] mit den Deportierten aus Neckargemünd und Ulm.

Orte, aus denen deportiert wurde









XIII/2 (an 17.4.43)



XIII/6 (an 17.2.45)



Heidenheim/Brenz

1

Buttenhausen

4


Baden-Baden

3


Heilbronn

3

Heilbronn

1


Bühl

1


Kornwestheim

1

Mannheim

1


Dossenheim

1


Laudenbach

1

Rexingen

1


Edingen

1


Obersontheim

2

Stuttgart

13


Ettlingen

1


Ravensburg

1

Ulm

1


Flehingen

1


Sindelfingen

1




Frankfurt/Main

2


Stuttgart

35

XIII/3 (an 18.6.43)



Freiburg

14


Tierhaupten

1

Stuttgart

8


Gailingen

1


Ulm

1

Ulm

1


Hanau

1


Weinsberg

1




Haslach

1


Westerheim

1

XIII/4 (an 11.1.44)



Heidelberg

18




Baden-Baden

4


Hilzingen

1


XII/10 (an 18.2.45)


Freiburg

3


Hochstadt

1


Ulm (aus Lager Leimbach)

1

Heidelberg

5


Karlsruhe

14




Karlsruhe

3


Kirchheim

4


III/11 (an 14.3.45)


Kehl

1


Lahr

1


Biedesheim

1

Konstanz

1


Langenselbold

1


Edesheim

1

Mannheim

15


Mannheim

48


Frankenthal

2

Merzhausen

1


Niederstetten

1


Freinsheim

1

Muggensturm

1


Nüstenbach

1


Grünstadt

1

Neustadt

1


Oberhausen

1


Heßheim

1

Offenburg

1


Ödsbach

1


Hühnerfeld

1

Pforzheim

2


Offenburg

1


Ingenheim

2

Sennfeld

1


Pforzheim

17


Kaiserslautern

3

Villingen

1


Rückingen

1


Kirchheimbolanden

1

Weinheim

1


Schatthausen

1


Kusel

2




Schlüchtern

1


Lambertsmühle

1

XIII/5 (an 12.1.44)



Untergrombach

1


Landau

1

Heilbronn

2


Villingen

1


Landstuhl

2

Öhringen

1


Wertheim

1


Ludwigshafen

7

Rottenburg

1


Zierolshofen

1


Merchweiler

3

Stuttgart

30





Neunkirchen/Saar

3

Tübingen

1


XIII/7 (an 18.2.45)



Neustadt

1




Backnang

1


Oberthal

1

I/110 (an 19.4.44)



Buchau

2


Pirmasens

5

Neckargemünd

1


Calw

1


Tholey

1




Donzdorf

1


Wiebelskirchen

1

XIII/5 Ez (an 20.4.44)



Fellbach

1


Winnweiler

1

Karlsruhe

1


Göppingen

3


Wörsbach

2

XIII/2

XIII/3

XIII/4

XIII/5

III/11

I/110

XIII/6

XIII/7

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