Statistik und Deportation
der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich

Deportationen aus Bayern nach Auschwitz 1943

Abfahrtsdatum: 13.03.43, Herkunft: München - Augsburg, Deportierte: 219

Abfahrtsdatum: 18.05.43, Herkunft: München - Augsburg (?), Deportierte: 68

Abfahrtsdatum: 17.06.43, Herkunft: Nürnberg - Würzburg, Deportierte: 86

Für das Jahr 1943 lassen sich mehrere Deportationen aus Bayern in das Konzentrationslager Auschwitz nachweisen. Hierzu gehört zunächst der im Zusammenhang mit der "Fabrikaktion" stehende Transport vom 13.3.43 mit Juden aus München und Schwaben, der 219 Menschen umfasste. Die Monatsstatistik der Reichsvereinigung für März 1943 gibt hiervon leicht abweichend 217 Deportierte aus Bayern an. Möglicherweise wurden im April Personen nachgemeldet, als 21 Deportierte aus Bayern registriert wurden. Eine Nachkriegsaufstellung der Israelitischen Kultusgemeinde nennt 113 Deportierte aus München [StA München, StAnw 29.499/3], enthält aber eine Reihe von Personen, die nicht mit dem Transport vom 13.3. deportiert wurden, während andere, tatsächlich deportierte Personen nicht aufgeführt sind.


Aufschluss über die Herkunft der Deportierten gibt eine Namensliste der Finanzbehörden. Von den 219 Deportierten kamen 108 aus München (darunter 2 mit dem Vermerk "z.Zt. in Haft") bzw. aus der Heilanstalt Eglfing, 97 aus Augsburg, 10 aus Ichenhausen, 3 aus Neuburg (Donau) und 1 aus Neu-Ulm. Für einige Personen ist wiederum der Vermerk "St" eingefügt, um in diesen Fällen die Einziehung des Vermögens aufgrund der Gesetze über die Einziehung und Verwertung volks- und staatsfeindlichen Vermögens vorzunehmen. Während die Namensliste den 10.3. als Deportationsdatum vermerkt, ist im Begleitschreiben des Oberfinanzpräsidenten München zu diesem der "Welle V" zugeordneten Transport korrekt der 13.3. angegeben. Möglicherweise kam es aufgrund des Luftangriffs vom 9./10.3.43 auf München zu einer Verschiebung des Abtransports (Hinweis von Maximilian Strnad). Die hier abgebildete Liste befindet sich im Historischen Archiv der Commerzbank, Bestand HAC-500/3774-2000. In den Originalen vereinzelt handschriftlich notierte Kontodaten wurden für die Reproduktion unkenntlich gemacht.

Mehrere Einzeltransporte brachten 1943 weitere Münchener nach Auschwitz, so Werner Nellhaus, der sich im Polizeigefängnis Großbeeren befand, mit dem 27. Osttransport aus Berlin am 29.1.43 (siehe hier,  Nr. 821) und Günther Schneider mit dem 28. Osttransport aus Berlin am 3.2.43 (siehe hier, Nr. 30). Auch der letzte Lagerleiter von Milbertshofen, Curt Mezger, der im März 1943 nach Schließung des Lagers verhaftet und anschließend in die Justizvollzugsanstalt Stadelheim eingewiesen wurde, kam, obwohl in Mischehe lebend, im Herbst 1943 nach Auschwitz. Später wurde er von dort in das Konzentrationslager Mauthausen überstellt, wo er in einem der Nebenlager noch im März 1945 zu Tode kam.

Weiterhin gibt es den Hinweis auf einen Transport vom 18.5.43 nach dem "Osten", der 68 Menschen umfasst haben soll [StadtA München, NL Meister]. Von den vermutlich 8 Personen, die aus München deportiert wurden, hatten 4 ihren letzten Wohnsitz in Berlin und wurden aus der Haft zugeführt [M. Strnad, Zwischenstation "Judensiedlung", München 2011, S. 142]. Damit könnten 60 Deportierte von außerhalb Münchens gekommen sein. Die Tatsache, dass von einer der 60 polnischen jüdischen Frauen (Edzia Abbe), die im Oktober 1942 von der Flachsröste Lohhof nach Augsburg verlegt worden sind (siehe hier), bekannt ist, dass sie im Mai 1943 aus Augsburg deportiert wurde (siehe hier), legt die Vermutung nahe, dass es sich bei den von außerhalb Münchens kommenden Personen um die polnischen Zwangsarbeiterinnen handelte. Auch der ehemalige Chefarzt des jüdischen Krankenhauses in München Dr. Julius Spanier sowie der behandelnde Zahnarzt Dr. Wilhelm Blumenreich haben in Nachkriegsaussagen bestätigt, dass die polnischen Frauen 1943 von Augsburg über München deportiert wurden [Archiv des ITS, 1.1.0.7, Nr. 66].


Mit dem Transport vom 17.6.43 wurden schließlich die noch verbliebenen, nicht in Mischehe lebenden fränkischen Juden nach Auschwitz deportiert. Entsprechend dem Monatsbericht des Regierungspräsidenten von Ober- und Mittelfranken vom 7.7.43 "wurden 86 Juden nach dem Osten und 36 nach Theresienstadt abgeschoben" [Bayern in der NS-Zeit, Bd. 1, München 1977, S. 485]. Ihre Namen sind aus Transportlisten der Gestapo für den Oberfinanzpräsidenten in Nürnberg bekannt. Aus diesen ergibt sich, dass ursprünglich 94 Menschen für die "Evakuierung nach dem Osten" vorgesehen waren, jedoch 8 Transportnummern unbesetzt blieben, darunter für zwei Juden, die sich auf der Flucht befanden. Von den Deportierten hatten 57 ihren letzten Wohnsitz in Würzburg, 27 in Fürth und 2 in Nürnberg.


In Übereinstimmung hiermit waren laut dem "Schlußbericht" der Gestapo Würzburg "am 17. Juni 1943 ... 64 Juden aus Würzburg abgewandert. Hiervon haben 7 Juden ihren Wohnsitz nach Theresienstadt verlegt, die übrigen 57 Juden wanderten nach dem Osten ab. Mit diesem letzten Transport sind sämtliche nach den ergangenen Richtlinien abzuschiebende Juden (hier sind nur noch die jüdischen Mischehepartner sowie die Geltungsjuden) aus Mainfranken abgewandert." Die Angabe für Fürth wird durch den Nachtrag zur Geschichte der Juden in Fürth, die 1943 im Auftrag der Gestapo erstellt worden war, bestätigt (siehe hier). Hierunter befanden sich auch 9 Nürnberger Juden, die am 5.10.42 auf behördliche Anordnung nach Fürth umgesiedelt worden sind.


Abgebildet sind die Transportliste in den "Osten" in einer Kopie aus dem Staatsarchiv Nürnberg, Bestand OFD Nürnberg (Bund) Nr. 15458, die Liste des Würzburger Teiltransports in einer Kopie aus dem Archiv des ITS sowie der "Schlußbericht" aus der Dokumentensammlung des Eichmann-Prozesses, Dokument T/783.

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