Statistik und Deportation
der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich

Luxemburg - Trier nach Litzmannstadt

Abfahrtsdatum (Trier): 16.10.41, Deportierte: 190 (nur Trier, Gesamtstärke: 514)

Nach den noch als regionale Einzelaktionen durchgeführten Deportationen des Jahres 1940 aus Pommern und Baden-Pfalz-Saarland markierte der Trierer Transport nach Litzmannstadt den Beginn der systematischen Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Die Trierer waren zuvor nach Luxemburg überführt worden, um dem von dort in der Nacht vom 16./17.10.41 um 1 Uhr abgehenden Transportzug angeschlossen zu werden [Archives nationales de Luxembourg, FD-083-17]. Joseph Schlang aus Luxemburg, der die Deportation nach Litzmannstadt und später nach Auschwitz und Mauthausen überlebte, berichtete nach Kriegsende, dass die Menschen aus Trier am 16.10. mit Lastwagen am Bahnhof der Stadt Luxemburg angekommen waren (siehe hier). Ursprünglich waren 560 Juden in Litzmannstadt angekündigt worden. Die Eingangsliste des Gettos verzeichnete schließlich 512 Deportierte, von denen 323 aus Luxemburg kamen (Nr. 1-323) und 189 aus dem Regierungsbezirk Trier (Nr. 324-512). Die Liste befindet sich im Archiwum Państwowe w Łodzi (Przełożony Starszeństwa Żydow w Getcie Łódzkim, Nr. 996) und ist nachfolgend in der Kopie des USHMM (RG-15.083, Reel 202) reproduziert.

In ihren Berichten an den Oberfinanzpräsidenten in Köln wurde durch die Vorsteher der Finanzämter Trier und Bernkastel gemeldet, dass aus ihren jeweiligen Bezirken 133 bzw. 56 Juden "ausgesiedelt" wurden, insgesamt demnach 189 in Übereinstimmung mit der Liste aus Litzmannstadt. Nach Angaben der Jüdischen Kultusvereinigung in Trier waren jedoch 190 Menschen aus dem Regierungsbezirk Trier betroffen [LHA Koblenz, 572/20674]. Auf einer vom Finanzamt Trier erstellten Namensliste der Deportierten aus dem Stadt- und Landkreis Trier ist eine Person aus Trier (Karl? Levy) handschriftlich nachgetragen, womit die Abweichung in den Angaben erklärt werden könnte [LHA Koblenz, 572/15959]. Die Reichsvereinigung gibt in ihrer Monatsstatistik für Oktober 1941 insgesamt 1193 Deportierte aus dem Rheinland (ohne Köln) an, wobei die 1003 Menschen aus dem Düsseldorfer Transport (siehe hier) enthalten sind.


Reproduziert sind nachstehend die Listen der Finanzämter Trier und Bernkastel mit den Namen von 179 Deportierten, davon 123 aus dem Bezirk Trier (mit handschriftlichem Nachtrag) und 56 aus dem Bezirk Bernkastel. Die Namen von Alwine und Rosa Leib aus Niederemmel sind in der Liste für den Kreis Bernkastel gestrichen, da sie "wegen Transportunfähigkeit der Alwine Sara Leib in einem Krankenhaus in Trier untergebracht werden" mussten [LHA Koblenz, 457/703]. Die abgebildeten Listen befinden sich im Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 572/15959 (Trier) und 457/703 (Bernkastel).

Orte, aus denen deportiert wurde









Aach

1


Möhn

1


Thalfang

5

Bernkastel-Kues

6


Mülheim

7


Trier

102

Brauneberg

7


Neumagen

2


Trittenheim

4

Burgen

1


Rhaunen

18


Veldenz

4

Fell

3


Ruwer

4


Wittlich

11

Konz

3


Schweich

5




Lieser

2


Talling

4




Trier

Bernkastel

In einem Aktenvermerk vom 21.10.41 über ein Gespräch mit dem Vertreter des Oberfinanzpräsidiums Köln zu "Fragen der Judenvermögensverwaltung" gibt der Vorsteher des Finanzamts Trier an, dass nach seinen Unterlagen "im Kreise Bernkastel 55 Juden, im Kreise Wittlich 11 und im Kreise Saarburg 1 Jude" von der Deportation betroffen seien [LHA Koblenz, 572/15959]. Für Wittlich können die Namen aus einer Nachkriegsaufstellung des dortigen Polizeiamts ermittelt werden, siehe die Reproduktion aus dem Archiv des ITS. Demnach wurden 11 jüdische Bewohner am 16.10.41 nach Polen bzw. unbekannt abgemeldet (Paula Ermann ist in der Liste doppelt aufgeführt).

©TF 2016, mail(at)statistik-des-holocaust.de

Die Eingangsliste im Getto Litzmannstadt ist offensichtlich auch für die Deportierten aus Luxemburg nicht ganz vollständig. Bekannt sind verschiedene Listen, von denen sich eine vom Dezember 1941 auf eine Postanweisung in Höhe von 10 RM bezieht, die "jedem der Evakuierten" der Luxemburger Gruppe in Litzmannstadt zugestellt werden sollte. Diese Liste führt 325 Personen auf, wobei der Name von Fanny Levy doppelt verzeichnet ist [Archives nationales de Luxembourg, FMD-002]. Damit sind 324 Menschen aus Luxemburg deportiert worden, was mit der Angabe des ehemaligen Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde Alfred Oppenheimer im Luxemburger Kriegsverbrecherprozess übereinstimmt [T. Friedman, Die Deportation der Juden aus Belgien und Luxemburg während der Nazi-Besetzung 1940-1944: Dokumentensammlung, Haifa 1999].

Wittlich