Statistik und Deportation
der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich

Nürnberg - Würzburg nach Izbica

Abfahrtsdatum: 24.03.42, Deportierte: 989

Zur zweiten Deportation von Juden aus Franken vermeldet der Monatsbericht des Regierungspräsidenten von Ober- und Mittelfranken vom 7.4.42: "Im Rahmen der Evakuierungsaktion verließ am 24. März ein Sonderzug mit 990 Juden Nürnberg mit dem Reiseziel Lublin-Izbica. Zwischenfälle haben sich nicht ereignet. Der Jude Dr. Martin Israel Offenbacher hat sich der Evakuierung durch Selbstmord (Leuchtgas) entzogen." Weiter heißt es im Monatsbericht vom 5.5.42 in Bezug auf Ober- und Mittelfranken: "Am 24. März wurden 781, am 25. April 105 Juden nach dem Osten evakuiert. Außer einigen Selbstmorden und Selbstmordversuchen sind keinerlei Störungen eingetreten." [Bayern in der NS-Zeit, Bd. 1, München 1977, S. 484]


Aus dem Bereich der Gestapo Nürnberg-Fürth waren ursprünglich 835 Juden für die Deportation am 24.3. vorgesehen. Weitere 165 Menschen sollten durch die Außendienststelle Würzburg aus den Landkreisen Kitzingen und Ochsenfurt zugeführt werden. Durch mehrere "Nachforderungen" seitens der Nürnberger Gestapo zum Ersatz von vorerst zurückgestellten Personen wurden schließlich 208 Menschen aus Mainfranken deportiert, darunter auch 18 aus Würzburg und 19 aus Wiesenfeld im Landkreis Karlstadt. Der Transport hatte damit eine Gesamtstärke von 989 Menschen. Nachstehend abgebildet ist die Liste zum Würzburger Teiltransport, die sich im Staatsarchiv Würzburg, Bestand Gestapo 18875, Bl. 13-23, 25-26, befindet.

Eine Aufstellung "Abgeschobene Juden, II. Welle" enthält 439 Namen für Menschen aus Nürnberg, die am 24.3. und 25.4.42 deportiert wurden. Der Name von Rosa Wertheimer wurde dabei handschriftlich eingefügt. Die Liste enthält zu den aufgeführten Personen eine "Polizei-Nr.", die Rückschlüsse auf die Zahl der Transportteilnehmer aus Nürnberg bei den beiden Deportationen der "II. Welle" erlaubt. So haben 418 Menschen eine "Polizei-Nr. im Bereich von 1 bis 465 und weitere 20 im Bereich von 939 bis 960, während für die handschriftlich eingefügte Rosa Wertheimer die Angabe fehlt. Die erste Gruppe kann der Deportation vom 24.3. und die zweite Gruppe der Deportation vom 25.4. zugeordnet werden. Die Liste der "II. Welle" ist im Folgenden in einer Kopie aus dem  Stadtarchiv Nürnberg, Bestand C 31/I, Nr. 26, Bl. 17-28, reproduziert.

Orte, aus denen deportiert wurde (nur Mainfranken)









Acholdshausen

2


Hüttenheim

3


Tauberrottersheim

1

Allersheim

2


Kitzingen

75


Wiesenbronn

1

Gaukönigshofen

25


Marktbreit

23


Wiesenfeld

19

Giebelstadt

5


Mainbernheim

2


Würzburg

18

Goßmannsdorf

2


Mainstockheim

27




Großlangheim

2


Obernbreit

1




Eine Nachkriegsliste des Einwohnermeldeamts Nürnberg, die beim ITS verwahrt wird, führt nach Abzug einer Doppelnennung (Rosa Uhlfelder) 440 Nürnberger Juden auf, die am 24.3. und 25.4.42 deportiert wurden. Zusätzlich zu den 439 in der vorstehend abgebildeten Namensliste verzeichneten Personen ist Rechna Kellermann genannt. Ein Vergleich mit den Angaben der Gesamtliste zum Transport vom 25.4. (siehe hier) lässt den Schluss zu, dass sowohl sie als auch die in obiger Liste ohne "Polizei-Nr." handschriftlich eingetragene Rosa Wertheimer am 24.3. abtransportiert wurden, so dass anhand der Listen davon auszugehen ist, dass mit diesem Transport 420 Menschen aus Nürnberg deportiert wurden. Die Monatsstatistik der Reichsvereinigung für März 1942 nennt leicht abweichend 421 Deportierte aus dem Bereich der Kultusvereinigung Nürnberg.


Für die Deportierten aus Fürth existiert ebenfalls eine Nachkriegsliste im Archiv des ITS. Das "Verzeichnis der im Jahre 1942 deportierten Personen jüdischen Glaubens" enthält unter Berücksichtigung einer Doppelnennung (Gerhard Mauder) die Namen von 223 Menschen, die am 22.3.42 aus Fürth "abgewandert" sind, wobei jedoch vergleichbare Listen für die späteren Deportationen von Fürth nach Theresienstadt nicht ganz vollständig und die Angaben daher als Mindestzahl anzusehen sind. Insgesamt wurden nach dem Bericht der letzten Sekretärin der Israelitischen Kultusgemeinde Grete Ballin in ihrer auf Anordnung der Gestapo verfassten Geschichte der Juden der Stadt 237 Menschen am 24.3. abtransportiert (siehe hier). Die beiden Aufstellungen für Nürnberg und Fürth sind nachstehend abgebildet.

In Oberfranken waren Juden aus den Landkreisen Bamberg, Forchheim und Höchstadt a. d. Aisch betroffen. Aus der Stadt und dem Landkreis Bamberg wurden 99 Menschen deportiert, darunter 25 aus Bamberg (siehe die namentliche Liste hier) [YVA O.8/374] und 74 aus den Landgemeinden (Aschbach 7, Demmelsdorf 6, Hirschaid 20, Scheßlitz 8, Trabelsdorf 9, Walsdorf 6, Zeckendorf 18) [StA Bamberg, K 5 Nr. 16687, vgl. K. H. Mistele, Das Ende einer Gemeinde, Bamberg 1988, S. 106]. Zu den Gemeinden im Landkreis Bamberg existieren im Archiv des ITS ebenfalls Nachkriegslisten, wobei jedoch das Deportationsjahr und -ziel häufig falsch angegeben sind. So wurden aus Scheßlitz nach diesen Listen 12 Menschen am 22.3.42 abtransportiert, 3 von ihnen (Frieda Lauer, Josef und Regina Satzmann) kamen allerdings mit dem Transport vom 25.4. nach Krasniczyn (siehe hier) und 2 (Hermann und Rosalie Hollmann) am 10.9. nach Theresienstadt (siehe hier).

Nürnberg

Fürth

Landkreis Bamberg

©TF 2016, mail(at)statistik-des-holocaust.de

Würzburg

Nürnberg

Genaue Angaben mit Namenslisten der Deportierten sind jedoch aus der vierteljährlichen "Übersicht über die Zu- u. Abwanderung von Juden" zu erhalten, die von den Gendarmerie-Posten in Burgwindheim (für Aschbach), Hirschaid, Scheßlitz (für Demmelsdorf, Scheßlitz und Zeckendorf) und Trabelsdorf (für Trabelsdorf und Walsdorf) an den Landrat in Bamberg übermittelt wurden, siehe nachfolgend die Reproduktion aus dem Staatsarchiv Bamberg, Bestand Landratsamt Bamberg, K 5 Nr. 16687.

Burgwindheim

Hirschaid

Scheßlitz

Trabelsdorf

Ein "Namentliches Verzeichnis der zu evakuierenden Juden aus Forchheim" enthält die Namen der drei jüdischen Bewohner der Stadt, die am 23.3. zunächst "nach Nürnberg ... verschubt" wurden, siehe die Reproduktion aus dem Staatsarchiv Bamberg, Bestand Landratsamt Forchheim, K 9 Nr. 8704. Weiterhin sind die Namen von zumindest 18 Menschen bekannt, die aus Adelsdorf und Mühlhausen im Landkreis Höchstadt a. d. Aisch abtransportiert wurden (Hinweis zu Adelsdorf von Christiane Kolbet, zu Mühlhausen siehe StA Nürnberg, OFD Nürnberg (Bund) Nr. 15456).

Forchheim

Deportierte vom 24.3.42 aus dem Landkreis Höchstadt a. d. Aisch






Adelsdorf

Fleischhauer, Justin

Strauß, Friedrich

Stühler, Hildegard

Stühler, Max

David, Meta

Fleischhauer, Marie

Strauß, Ida

Stühler, Jakob

Stühler, Rosa

David, Nathan

Rindsberg, Rudolf

Stühler, Babette

Stühler, Lina


Fleischhauer, Berta

Rindsberg, Selma

Stühler, Berthold

Stühler, Martha

Mühlhausen





Bing, Selma