Statistik und Deportation
der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich

Emden - Berlin nach Litzmannstadt

Abfahrtsdatum (Emden): 23.10.41, Deportierte: 122 (nur Emden, Gesamtstärke: ?)

Zwischen Januar und März 1940 wurden auf Weisung der Gestapo Wilhelmshaven 843 Juden aus dem Regierungsbezirk Aurich und dem Land Oldenburg zum Verlassen ihrer Wohnorte und Umsiedlung in andere Regionen Deutschkands gezwungen. Ein großer Teil von ihnen ging nach Berlin und bekam dort von der jüdischen Gemeinde Wohnraum zugewiesen. Danach verblieben in der nordwestdeutschen Grenzregion, neben den jüdischen "Mischlingen" und "Mischehepartnern", die von den Deportationsmaßnahmen zunächst ausgenommen waren, nur noch 150 Menschen im jüdischen Altenheim in Emden, 11 Insassen im jüdischen Alten- und Siechenheim in Varel sowie 8 alte Juden in Norden, die nach Emden überführt werden sollten [H. Beyer, in: Collectanea Frisica, Bd. 74, Aurich 1995, S. 363-390].


Mit Beginn der systematischen Deportation der jüdischen Bevölkerung Deutschlands im Oktober 1941 gerieten auch die letzten Emdener und Vareler Juden in die Deportationsmaßnahmen. Am 22.10.41 wurden zunächst 23 Personen aus dem Altenheim Emden nach Varel gebracht und im Gegenzug 6 der verbliebenen 8 Bewohner des Altenheims Varel nach Emden [H. Frerichs, Spurensuche: Das jüdische Altenheim in Varel 1937-1942, Jever 2012, S. 66-72]. Die in Emden konzentrierten Menschen wurden am folgenden Tag nach Berlin überführt, um dem von dort am 24.10. abgehenden II. Transport in das Getto von Litzmannstadt angeschlossen zu werden (siehe hier). In Litzmannstadt wurde der Emdener Transport unter der Bezeichnung 10a registriert.


In der Tagesmeldung der Gestapo Wilhelmshaven vom 25.10.41 an das Reichssicherheitshauptamt heißt es: "Am 23.Oktober 1941 wurden aus der Stadt Emden 122 Juden evakuiert. Sie werden in einer größeren Stadt im Osten geschlossen untergebracht. Damit ist der Staatspolizeibereich Wilhelmshaven mit Ausnahme der in der Stadt Varel wohnhaften 23 pflegebedürftigen Juden und der noch in Mischehen lebenden Juden judenfrei geworden." [StA Oldenburg, 136/2886a, zitiert nach: H. Frerichs, Spurensuche: Das jüdische Altenheim in Varel 1937-1942, Jever 2012, S. 72]  Aus dem Altenheim Varel wurden die letzten 23 Bewohner am 23.7.42 nach Theresienstadt deportiert.


Sowohl eine Transportliste der Gestapo als auch eine von der Gettoverwaltung erstellte Namensliste führen 122 Deportierte mit dem Emdener Transport auf (siehe Reproduktionen aus dem Archiwum Państwowe w Łodzi, 278, Nr. 1172, in einer Kopie des USHMM, RG-15.083, Reel 264). Die Statistik der Reichsvereinigung verzeichnete für den Oktober 1941 dagegen nur 109 Deportierte aus dem Bereich der Bezirksstelle Hannover-Kassel, zu dem Emden gehörte. Vermutlich in einer Nachmeldung wurden im November 6 Deportierte für den Bereich der Bezirksstelle Norwestdeutschland registriert, zu dem Varel gehörte. Es ist möglich, dass weitere Nachmeldungen für Emdener Juden in der Statistik erfolgten bzw. diese vereinzelt bei anderen Bezirksstellen registriert waren.

Transportliste der Gestapo

Transportliste Litzmannstadt

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