Statistik und Deportation
der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich

Als Abfahrtsdatum des 19. Osttransports wird in der Literatur häufig der 5.9.42 genannt. Allerdings ist dies lediglich das Datum des Schreibens der Staatspolizeileitstelle Berlin an den OFP Berlin-Brandenburg, mit dem die Transportliste versandt wurde, was üblicherweise einige Tage nach Abgang eines Transports erfolgte. In der Monatsstatistik der Reichsvereinigung ist der Transport dagegen im August 1942 eingeordnet. Wie aus dem Protokoll der Reichsvereinigung zur Rücksprache mit der Gestapo am 29.7.42 zu entnehmen ist, war der Osttransport für den 31.8.42 geplant [Max Kreutzberger Collection, Leo Baeck Institute, MF 798]. Bestätigt wird der Abgang des Transports zu diesem Datum u.a. in Schreiben der Reichsvereinigung an die Vermögensstelle des OFP, in denen auf mehrere Deportierte vom 31.8. Bezug genommen wird [Bundesarchiv, R 8150/477]. So heißt es: "Eli Steinberg, geb. 29.6.1906 zu Berlin, zuletzt wohnhaft gewesen in unserem Bereitschaftsheim Heidereutergasse 4, ist am 31.8.1942 mit dem 19. Osttransport unter Transport-Nr. 15410 abgewandert." In der Transportliste der Gestapo ist Eli Steinberg unter der lfd. Nr. 20 mit der Kennzeichen-Nr. 15410 aufgeführt. Ähnliche Vermerke gibt es im Schriftverkehr der Reichsvereinigung zu Erna Selbiger und Brigitte Homburger.


Die Berliner Transportliste verzeichnete 801 Namen, von denen 11 gestrichen wurden. Demnach sind im 19. Osttransport 790 Juden deportiert worden. In der Statistik der Reichsvereinigung für den August 1942 wurden insgesamt 4691 Deportierte aus Berlin registriert (einschließlich der Nachmeldung von 128 Personen in der September-Statistik), während sich aus den Gestapolisten für die beiden Osttransporte vom 15.8. und 31.8. sowie die 20 Alterstransporte zwischen dem 3.8. und 31.8. insgesamt 4686 Menschen mit letztem Wohnsitz bzw. Aufenthalt in Berlin ermitteln lassen.


Dem Transport aus Berlin wurden in Insterburg weitere Personen aus Ostpreußen angeschlossen [A. Gottwaldt, D. Schulle, Die "Judendeportationen" aus dem Deutschen Reich 1941-1945, Wiesbaden 2005, 257]. Anhand der Statistik der Reichsvereinigung für September 1942 kann ermittelt werden, dass 163 Juden (nach Korrektur und Abzug von einer Person im Oktober) aus dem Regierungsbezirk Königsberg deportiert wurden. Damit kann die Gesamtzahl Deportierter in diesem Koppelzug nach Riga mit 953 angenommen werden.

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19. Osttransport

Abfahrtsdatum: 31.08.42, Deportierte: 790 (nur Berlin, Gesamtstärke: 953), Deportationsziel: Riga